Es gibt viele gute Gründe einen „geteilten Schreibtisch“ in Klein-, Mittelstädten und in Dörfern anzubieten. Coworking Spaces auf dem Land sind keine Vision mehr, sie sind Realität: In Schleswig-Holstein, Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und vielen weiteren Regionen Deutschlands, Europas und weltweit.

Dazu beigetragen haben die positiven Effekte von Coworking-Spaces auf dem Land für Wissensarbeiter/-innen („Büromenschen“) die auf dem Land leben (wollen), für die Gemeinschaft auf dem Land und für die Gesellschaft als Ganzes.

Viele gute Gründe für Coworking auf dem Land

Der wohl entscheidende Grund für den besonderen Wert von geteilten Schreibtischen in unseren Regionen liegt in der Wiederherstellung von Nähe: Nähe zwischen dem Wohn- und Arbeitsort.

„In Zeiten der Digitalisierung ist es verrückt, dass die Menschen immer noch wie in den 1950er Jahren jeden Tag in die Büros der Städte zum Arbeiten eilen – die Arbeit kann heute zum Menschen kommen.“
Ulrich Bähr, Vorstand der CoWorkLand Genossenschaft.

Die funktionale Trennung zwischen Wohn- und Arbeitsort ist geschichtlich betrachtet vollkommen untypisch für die Menschheit. Sie entstand erst im Zeitalter der Industrialisierung. Damals hatte sie auch ihre Berechtigung. Für die stetig steigende Schar von Wissensarbeitern/-innen („Büromenschen“) hat Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsort jedoch deutlich mehr Vorteile.

Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer/-innen in Deutschland pendeln 5 von 7 Tagen zwischen ihrer Wohn- und Arbeitsstätte. Sie legen zum Teil sehr weite Strecken zurück, erleben Stress, verlieren wertvolle Zeit für ihr Familienleben, für Freunde, den Austausch mit Nachbarn oder Zeit zum Erholen. Zugleich tragen sie zu einer großen Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen bei. Letzteres ganz sicher in den meisten Fällen nicht gewollt.

Pendelzeiten reduzieren – das ist der wichtigste Nutzen von Coworking-Spaces auf dem Land. Es ist jedoch nicht der einzige. Geteilte Schreibtische auf dem Land leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen im ländlichen Raum indem sie …

  • „Büromenschen“ in der Region halten,
  • Stadt- und Ortskerne (wieder-)beleben,
  • Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Leben in einer Gemeinschaft verbessern,
  • eine Kultur des Teilens und Helfens befördern (wiederbeleben),
  • Menschen unterschiedlicher Professionen (Wissensarbeiter/-innen, Handwerker/-innen, Landwirte/-innen) vernetzen und auf diese Weise die Entstehung von Innovationen, Unternehmen und neuen Geschäftsmodellen fördern,
  • leerstehenden Gebäuden neues Leben „einhauchen“ und somit Werte erhalten
  • und den Lebensort Dorf für junge, hochqualifizierte Menschen attraktiver machen, so dass jene sich leichter tun mit einem Wohnortwechsel „von der Stadt aufs Land“.

Coworking Spaces auf dem Land schaffen, das sollte deutlich geworden sein, volkswirtschaftliche Werte von bedeutendem Ausmaß. Gleichzeitig, und das ist leider auch (noch) Realität, sind Coworking-Spaces auf dem Land betriebswirtschaftlich betrachtet kein Erfolgsmodell aus sich selbst heraus.

Es braucht Zeit, eine lange Anlaufphase, Durchhaltevermögen und intelligente Förderung(en) durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jene Förderung ist, ob der aufgezeigten volkswirtschaftlichen Effekte, jedoch ein sehr lohnendes Investment.

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