Auch 2017 gibt es ihn wieder: Den bewährten und geschätzten Branchenmonitor des Berufsverbandes German UPA . Viele spannende Daten & Fakten zum Arbeiten & Leben als Usability & UX Professional.

Mir ist ein Aspekt besonders aufgefallen: Es wird immer schwerer neue Mitarbeiter/-innen zu gewinnen.

Derzeit sind 4-5 Monate nötig, um eine(n) neue(n) Mitarbeiter/-in für eine offene Stelle zu finden. Einzelne Unternehmen gaben an 18 Monate gesucht zu haben. Im Vergleich zu 2016 stieg die nötige Dauer zur (Neu-)Besetzung einer Stelle um 10%.  Und das in einer Branche die von den dort Tätigen ob ihrer Vielfalt, Gestaltungsfreiheit und erlebten Eigenständigkeit geschätzt wird.

Meine Prognose für die kommenden Jahre: Es wird nicht leichter neue Mitarbeiter/-innen in unserer Branche zu finden. Usability & UX sind „im Trend“ und gewinnen in immer mehr Unternehmen und Lebensbereichen (weiter) an Bedeutung.

Modell zu Beschreibung der Qualität von Beziehungen

Modell zur Beschreibung der Qualität von Beziehungen

Diese Situation sollte für alle Unternehmen ein (Warn-)Signal sein: Als Arbeitgeber sollten sie viel bieten, um Mitarbeiter/-innen zufrieden zu stellen und emotional zu binden.

Nicht nur die Nutzer/-innen auch die Mitarbeiter/-innen gilt es in den Mittelpunkt zu stellen.  Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung – das gilt in unserer Branche im Besondern.

Mitarbeiter/-innen zu Fans machenhochzufrieden, überdurchschnittlich emotional gebunden, treue Gefährten und Botschafter – das wird der Erfolgsfaktor von Unternehmen bleiben.

Unternehmen und vor allem UX-Dienstleister mit wenigen Fans und vielen Söldnern – oder gar Gegnern (im Modell als „Terroristen“ bezeichnet) – werden mittelfristig vom Markt verschwinden (Unternehmen brauchen keine zufriedenen Mitarbeiter, sie brauchen Fans).

Leben und Arbeiten als UX Professional

Der Branchenmonitor der German UPA liefert – inzwischen bereits zum 11. Mal – wertvolle Informationen über die Situation und Entwicklung im Arbeitsfeld Usability & User Experience.

420 Teilnehmer/-in in 2017 – das ist Rekord. 42% nahmen zum ersten Mal an der Umfrage teil. Beide Daten verdeutlichen die steigende Bedeutung der Usability & UX Branche. Zum Vergleich: 2007 nahmen 185 Personen an der Online-Umfrage zum Branchenmonitor teil – eine Steigerung um satte 227% .

Die Top 10 Aufgaben bzw. Arbeitsschwerpunkte von UX Professionals sind:

  1. Beratung/Stakeholder Management
  2. UX Design
  3. Prototypen-Entwicklung
  4. Evaluation
  5. Information Architecture
  6. Requirements Engineering
  7. Usability Engineering
  8. Usability-Testing
  9. User Research
  10. Grafische Gestaltung

Herausforderungen in der Zusammenarbeit von UX Professionals mit Produktmanagern & Entwicklern ergeben sich vor allem beim Transfer vom Konzept zur Umsetzung und in der Qualitätssicherung. Qualitätssicherung im Sinne einer Sicherstellung in der Umsetzung von Anforderungen.

Die Unternehmensleitungen von höheren UX-Budgets zu überzeugen ist ebenfalls eine Herausforderung, deren Bewältigung nicht allen Inhouse UX Professionals leicht fällt (Tipps & Anregungen zum Missionieren in Sachen UX).

Was zeichnet den im Jahr 2017 in Deutschland wirkenden UX Professional aus?

Beim Vergleich der Branchenmonitore 2016 zu 2017 kommen nur wenige Veränderungen in den Basisdaten zum Vorschein. Die Ergebnisse sind bei fast allen Merkmalen und Eigenschaften von UX Professionals konstant geblieben.

Ich werte das als positives Merkmal für die Zuverlässigkeit der Datenerhebung. Zugleich als Beleg für die Etablierung unserer Branche innerhalb der vielfältigen Landschaft der Arbeitsfelder in der digitalen Transformationswirtschaft.

420 Teilnehmer/-innen sorgten beim diesjährigen Branchenmonitor für diese Daten & Fakten …

  • Durchschnittsalter: 36 Jahre
  • Berufserfahrung: 8 Jahre, im Mittel
  • Durchschnittsgehalt: 56.635 EUR (Bruttojahresgehalt).
  • Der Tagessatz von freien Mitarbeitern/-innen liegt im Mittel bei 600 EUR . Bei durchschnittlich 133 Projekttagen pro Jahr verdienen „Freie“ im Mittel 85.891 EUR p.a.
  • 44% Frauenanteil in der UX Community. Das Durchschnittsalter der weiblichen UX Professionals liegt bei 33 Jahren.
  • Die am häufigsten vertretenen Studienrichtungen sind Psychologie, Medieninformatik und Informatik.
  • UX Professionals mit einer Berufsausbildung sind vor allem gelernte Mediengestalter/-innen.
  • Weiterbildung steht bei UX Professionals hoch im Kurs. Der Wissenserwerb geschieht über den Austausch mit Kollegen (Barcamps, Stammtische), Surfstunden im Web (Blogs, Podcast) und den Besuch von Konferenzen (z.B. Mensch und Computer).
  • Ausbildungen mit Zertifikat sind sehr beliegt. 67% haben den Titel eines „Certified Professionals for Usability and User Experience“ (kurz: CPUX-F) erworben.
  • Beliebte Ausbildungsanbieter sind das UXQB, artop (Usability & UX Experte) und die Fraunhofer Institute (Usability Engineer).
  • Die Top 3 der bekanntesten Arbeitgeber in Deutschland:
    UID, eresult und Ergosign.
  • Die Bekanntheit und Bedeutung der German UPA Summer- und Winterschool steigt stetig. Sie bieten Young Professionals in unserer Branche eine sinnvolle Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung.

Weitere Daten und Fakten aus dem Branchenmonitor stellen Stefan Tretter, Sarah Diefenbach, Daniel Ullrich und Nina Gerber im Tagungsband zur Mensch und Computer 2017 bereit. Ihnen und den (anderen) 419 Teilnehmern/-innen der diesjährigen Umfrage gilt mein besonderer Dank für eine wieder einmal gelungene Bestandsaufnahme der UX/Usability-Szene in Deutschland.